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Italien als LehrstΓΌck fΓΌr Europa: Gesellschaft als Beute
Italien ist keine Demokratie mit einer rechten Regierung, sondern ein Musterbeispiel fΓΌr das Zusammenspiel von postdemokratischem Neoliberalismus und Faschisierung der Gesellschaft. In der EU wird diese Entwicklung weitgehend ignoriertΒ β auch weil es der Regierung Meloni noch gelingt, nicht alle Elemente ihrer Machtergreifung deutlich sichtbar werden zu lassen.
Gallionsfiguren der drei maΓgeblichen Fraktionen des italienischen Rechtsextremismus (erste Reihe von links nach rechts): MinisterprΓ€sidentin Giorgia Meloni (Fratelli dβItalia), der am 12. Juni dieses Jahres verstorbene ehemalige MinisterprΓ€sident Silvio Berlusconi (Forza Italia) und der ehemalige stellvertretende MinisterprΓ€sident und Innenminister Matteo Salvini (Lega). (Foto: EPA-EFE/Fabio Frustaci)
Γber die verschlafene mitteleuropΓ€ische Presse kam, jedenfalls dort, wo sie noch Reste von sozialem Gewissen aufweist, die jΓΌngste Nachricht aus dem (post-)faschistischen Italien wie ein kleiner Gruselschock: Per SMS hat die Regierung Giorgia Melonis Hunderttausenden Menschen mitgeteilt, dass sie von jetzt an keinen Anspruch auf den βreddito di cittadinanzaβ, das BΓΌrgergeld, als Sozialleistung mehr hΓ€tten.
Die Kommunen waren so wenig auf diesen Coup vorbereitet wie die Betroffenen. Man hΓ€tte es allerdings wissen kΓΆnnen, dass diese Sanierung der Staatsfinanzen auf Kosten der Armen in solch brachialer Weise kommen wΓΌrde β und doch glaubten die meisten, die neofaschistische Regierung wΓΌrde es unter den Augen der WeltΓΆffentlichkeit doch nicht so weit treiben, wie es ihre Rhetorik des βrunter vom Sofaβ vermuten lieΓ, mit der sie ihren Geldgebern von Industrie, Landwirtschaft und Tourismus billige Arbeitskraft zutreibt. Nicht so sehr, weil nun diese Betroffenen, die plΓΆtzlich keine Miete, keine Mahlzeiten, keine Ausbildung fΓΌr die Kinder mehr zahlen kΓΆnnen, sogleich ins Billiglohn-Prekariat wechseln kΓΆnnten, sondern weil sich Angst breit machen soll und mit der gleichzeitigen zΓ€hen Ablehnung des Mindestlohns von neun Euro pro Stunde, wie ihn die Opposition fordert, ein Heer der Arbeitsreserve gebildet werden soll, eine strukturelle Neosklaverei, auf der die βMelonomicsβ ihr Wirtschaftsmodell aufbauen wollen.
Die italienische Republik, so steht es in der Verfassung von 1947, ist auf Arbeit aufgebaut; die Faschisten von heute ΓΌbersetzen Arbeit mit Ausbeutung, Entrechtung und Verachtung.
Der Krieg gegen die Armen
Wenn man die scheinbar so rΓΌcksichtslose wie ΓΌbers Knie gebrochenen MaΓnahme zur radikalen Reduktion des BΓΌrgergeldes als eine Art von Demaskierung oder als einen ideologischen Bruch ansieht, sitzt man einer doppelten TΓ€uschung auf. Erstens nΓ€mlich gehΓΆrte diese Reduktion ja zum Wahlprogramm der βFratelli dβItaliaβ (FdI), der Partei Melonis: Sie wurden gewΓ€hlt (und vor allem: finanziert), damit sie diesen Krieg gegen die Armen fΓΌhren. Denn neben dem Rassismus gehΓΆrt der Klassenhass zur DNA des Postfaschismus: Die βFremdenβ werden genauso gehasst wie die βuntenβ, die Schmutzigen und die Nutzlosen. Nur in der Sklavenarbeit auf den Tomatenfeldern oder in niederen Dienstleistungen im TourismusgeschΓ€ft, mit LΓΆhnen, die zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig abwerfen, sollen sie geduldet werden. Und in beiden FΓ€llen gehΓΆren die europΓ€ischen Konsumenten, die europΓ€ischen Urlauber mit zu den NutznieΓern.
Und zweitens gehΓΆrt es durchaus zum Plan, dass diese Reduktion Protest und Chaos auslΓΆst. Denn jedes rechte Regime braucht ein solches Spektakel des Aufruhrs, der βniedergeschlagenβ werden kann. Es ist ein bewΓ€hrtes Mittel der Faschisten, sich als Bezwinger des Chaos zu inszenieren, das sie selber angerichtet haben.
Zum zweiten Mal zeigt dieses Regime βHΓ€rteβ, nach der brutalen Verweigerung von Hilfe fΓΌr die GeflΓΌchteten im FrΓΌhjahr dieses Jahres, und zum zweiten Mal ist diese HΓ€rte auch als Schauspiel gedacht. Beide Male hatte Giorgia Meloni die Wahl, sich auch gegen ihre Vasallen und ihre Programme als mΓΌtterlich-mitfΓΌhlend, als eine Rechte mit menschlichem Gesicht zu zeigen. Sie hat es demonstrativ nicht gemacht; Giorgia Meloni ist eine Faschistin durch und durch.
Neben dem kulturellen Kahlschlag, der zΓ€hen, aber konsequenten Arbeit an einer Transformation der parlamentarischen Demokratie in ein autoritΓ€res PrΓ€sidialsystem, neben der brutalen Politik gegen GeflΓΌchtete, der schrittweisen Γbernahme von Schulen und UniversitΓ€ten durch die Organisationen der Rechten ist dieser Krieg gegen die Armen ein weiterer Beleg eines fΓΌr ganz Europa entscheidenden Vorgangs: Italien ist keine Demokratie mit einer rechten Regierung, Italien ist ein Land, in dem modellhaft der innere Zusammenschluss von neoliberaler Postdemokratie und funktionalem Postfaschismus erprobt wird. Die TotalitΓ€t dieser Transformation wird leicht ΓΌbersehen, da es der Regierung Meloni noch gelingt, nicht alle Elemente ihrer Machtergreifung deutlich sichtbar werden zu lassen.
Fahrplan der faschistischen Transformation
Dabei hat sie einen sehr einfachen Fahrplan, den jeder kritische Beobachter ohne weiteres durchschauen kΓΆnnte. Es werden fΓΌnf βKriegeβ gefΓΌhrt:
1. Der Krieg gegen die Kultur. Die simpelsten Elemente sind die βNationalisierungenβ. Γberall werden Kuratorinnen, Museumsleiter oder Gremien-Entscheider ausgetauscht und durch FdI-Leute oder FdI-genehme Leute ersetzt. VertrΓ€ge werden nicht verlΓ€ngert, fadenscheinige EntlassungsgrΓΌnde konstruiert, man verhΓ€ngt einen βAuslΓ€nderstoppβ et cetera. Das jΓΌngste Beispiel ist die absehbare Vernichtung einer Einrichtung, um die ganz Europa die italienische Filmkultur beneidet hat, des βCentro Sperimentaleβ in Rom. FΓΌr jede kulturelle Institution, die man durch neue Regelungen oder durch Sperrung von Mitteln kaputtkriegt, entsteht irgendwo ein neurechter βThink Tankβ in einem korrupten System der βBeratungenβ.
2. Der Krieg gegen die FlΓΌchtlinge und gegen die AuslΓ€nder. Was das anbelangt, ist die italienische Rechte genau auf der Linie der anderen europΓ€ischen Rechten, allerdings kommt noch eine nationale KrΓ€nkung hinzu, wie in anderen Bereichen auch: Man lΓ€sst βunsβ mit dem Problem allein; man will zugleich βunsβ belehren und bevormunden.
3. Der Krieg gegen die Linken, die Liberalen und die Kritiker, die allesamt βfΓ€lschenβ und βhetzenβ, insbesondere was die italienische Vergangenheit oder die dubiosen GeschΓ€fte rechter Politiker*innen anbelangt. In Ermangelung eines wirklichen linken Feindes richten sich auch hier die Tiraden gegen alle, die auch nur um eine Nuance abweichen. Die linke und demokratische Opposition ist so schwach, dass man sich die inneren und Γ€uΓeren Feinde schon herbeizwitschern muss. Wird, wie jΓΌngst, ein besonders dreister Fall ruchbar, die Geschichte des Rechtsterrorismus in Italien zu fΓ€lschen, wird die Woche drauf gleich ein aufwendiger βBlitzβ gegen eine Handvoll Anarchisten durchgefΓΌhrt, die ein paar Monate lang ein kleines BlΓ€ttchen herausgaben: Vier oder fΓΌnf Anarchisten, die bΓΆse Artikel in einem Blatt schreiben, das niemand liest und das schon vor einem Monat sein Erscheinen einstellen musste β eine βnationale Gefahrβ.
4. Der Krieg gegen Frauen, Queere und Dissident*innen. Hier versucht es vor allem Giorgia Meloni β βMutter und Italienerinβ β eher mit einem RΓΌckgriff auf das konservative Familienbild als mit der offenen Konfrontation. Auffallend immerhin ist der Abbau aller Foren und Beratungsstellen, wenn sie staatliche UnterstΓΌtzung brΓ€uchten. WΓ€hrend sich die rechte Propaganda immer weiter verstaatlicht, wird alles, was dem Regime nicht nutzt, ins Private abgeschoben.
5. Der bereits erwΓ€hnte Krieg gegen die Armen. Was diese Regierung anstrebt, ist offenbar eine Form der strukturellen Zwangsarbeit beziehungsweise eine neue Klassenstruktur: eine rassistisch-ideologische neue βEliteβ (von der Giorgia Meloni vor den Vertretern der βGioventΓΉ Nazionaleβ, der Jugendorganisation der Fratelli, schwΓ€rmt), eine fΓΌr ihren FleiΓ, ihren Gehorsam und ihre Korruption belohnte KleinbΓΌrgerschicht und das neue Heer der willenlosen ArbeitskrΓ€fte, das durch Disziplinierung, Propaganda und Feindbilder zusammengehalten wird. Ein geradezu klassisches Gesellschaftsbild des Faschismus, das sich hier zwanglos mit den neoliberalen Phantasmen und den Idiotien der Unterhaltung verbindet.
Die StΓ€rke dieser faschistischen Transformationsbewegung rΓΌhrt nicht zuletzt daher, dass sich in ihr die Interessen der Wirtschaft, das Befinden der konservativen KleinbΓΌrger (die ihre politische Heimat bei der lΓ€ngst verblichenen Democrazia Cristiana verloren haben), die Schwurbeleien etlicher βQuerfrontlerβ oder Vertreter des βDritten Wegsβ, schlieΓlich aber genauso die Impulse der Mussolini-Nostalgie, des Rechtsterrorismus und der βNeuen Rechtenβ zusammenfinden. Ganz im Gegensatz zur Linken, die sich immer weiter aufspaltete, deren Fraktionen sich gegenseitig immer heftiger ablehnten, lieΓ die italienische Rechte stΓ€ndig Verbindungen zwischen legalen und illegalen, populistischen und sektiererischen, βkonservativenβ und neofaschistischen, ja, zwischen offiziellen Parteien und Untergrundorganisationen bestehen.
Spuren in den schwarzen Untergrund
Die Biographie und die verzweigte Familiengeschichte von Giorgia Meloni zeigt im Γbrigen, wie mannigfach und scheinbar widersprΓΌchlich die Entstehungsgeschichte des Regimes ist. Seit ihren AnfΓ€ngen als AnfΓΌhrerin der βAzione Studentescaβ und als βKoordinatorinβ der faschistischen Jugendorganisation der βAzione Nazionaleβ im Jahr 2002 β als diese gerade mit ΓΆffentlichen Verbrennungen von BΓΌchern, die das Ansehen Italiens βbeschmutzenβ, Furore machte (unter einer zΓΌnftigen BΓΌcherverbrennung machen sie es nun mal nicht) β, kreuzten Giorgia Melonis politischen und familiΓ€ren Weg eine Reihe von dubiosen Gestalten samt deren unaufgeklΓ€rter Taten. Immer wieder tauchen Bilder aus ihrem politischen βFamilienalbumβ auf, wie das des neofaschistischen Bandenmitglieds Marcello De Angelis, Bruder eines einstigen βVerlobtenβ Melonis und Herausgeber einer ultrarechten Postille, der Spuren im Fascho-Rock wie in der rechten Szene des Terrors hinterlassen hat.
Giorgia Meloni hat immer klargemacht, dass sie sich nicht von Organisationen und Personen des Rechts-β¨terrorismus distanzieren will. Wie auch? Die ΓbergΓ€nge etwa zwischen βLotta Studentescaβ, βTerza Posizioneβ und βNuclei Armati Rivoluzionariβ (NAR, neofaschistische Terrororganisation 1977 bis 1981) waren immer flieΓend. Und nach und nach wird bekannt, wie viele Spuren aus Giorgia Melonis direktem Umfeld in den schwarzen Untergrund fΓΌhren. In diesem Fall kommen sich selbst alternative Fakten gelegentlich in die Quere: WΓ€hrend De Angelis die Kriminalgeschichte der italienischen Rechten zu fΓ€lschen versucht β er bezeichnete drei wegen des Anschlags von August 1980 auf den Bahnhof von Bologna mit 85 Toten verurteilte rechte Terroristen der NAR als unschuldig β, muss Giorgia Meloni ihre eigene Vita fΓ€lschen. Um ihre Macht zu festigen, muss sie Posten verteilen an ihre Vasallen, die so geltungssΓΌchtig, inkompetent und korrupt sind, dass man es beim besten Willen nicht mehr verschleiern kann. Auf eines allerdings verstehen sich diese Postfaschisten, nΓ€mlich auf Propaganda.
Daneben gibt es die fΓΌnf nuclei der faschistischen Gesellschaft, das sind Territorien oder Institutionen, die fΓΌr sich in relativer Geschlossenheit schon βvollβ faschistisch funktionieren, ohne das allgemeine Bild des Alltags- und Tourismusitaliens zu sehr zu beeinflussen: das sind die Sommercamps der faschistischen Jugend; die fΓΌr rechten Terrorismus offenen βKultureinrichtungenβ wie das besetzte Haus βCasa Poundβ in Rom; jene Schulen und UniversitΓ€ten, die bereits vollstΓ€ndig in rechter Hand und mehr noch der der FdI sind; mehrheitlich rechtsgerichtete Medien und schlieΓlich der reale, gewalttΓ€tige faschistische Untergrund und seine Social-Media-Wolken, von denen sich das Meloni-Regime nie offen distanziert.
Zudem gibt es fΓΌnf Punkte, die den Erfolg der Rechten stabilisieren:
1. Der Organisationsgrad der neofaschistischen βBewegungβ, der sich in Jahrzehnten und viel zu wenig beachtet herausgebildet hat.
2. Die Galionsfigur(en): Meloni, Matteo Salvini (βLegaβ, ehemaliger Innenminister und stellvertretender MinisterprΓ€sident) und (bis zu seinem Tod im Juni) Silvio Berlusconi (viermaliger MinisterprΓ€sident) sind und waren nicht nur Vertreter, sondern so prΓ€zise Darsteller fΓΌr die Interessen und Phantasmen der drei Fraktionen des Rechtsextremismus β Faschismus, Populismus, libertΓ€rer Neoliberalismus β, dass sie immer ein wenig wie gecastet erscheinen.
3. Die Drift des konservativen KleinbΓΌrgertums nach rechts, wie sie in ganz Europa zu beobachten ist.
4. Die Bereitschaft der staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen, Justiz, Polizei, BΓΌrokratie et cetera, sich den Rechten zu ΓΆffnen und anzudienen.
5. Die ErschΓΆpfung, LΓ€hmung und SelbstbeschrΓ€nkung der gesellschaftlichen Mehrheit. Nirgendwo scheint die Flucht vor der Politik, der RΓΌckzug ins FamiliΓ€re und βPrivateβ so ausgeprΓ€gt wie in Italien. Dazu kommt eine seit Jahren beobachtete Flucht der Γ€sthetischen, wissenschaftlichen und kritischen Intelligenz ins Ausland.
Faschistische NachwuchsfΓΆrderung
Der Krieg um die Schulen und UniversitΓ€ten wird auf drei Ebenen gefΓΌhrt. Zum einen werden die (post-)faschistischen Organisationen von SchΓΌlern, Studenten und Lehrpersonal nach KrΓ€ften gefΓΆrdert. Allein unter den Γ€lteren SchΓΌler*innen und den Student*innen gibt es sechs rechtsextreme Gruppierungen, die hΓ€ufig zusammen, selten gegeneinander wirken:
Will die EuropΓ€ische Union von innen transformieren, anstatt sie von auΓen zu bekΓ€mpfen: β¨Italiens MinisterprΓ€sidentin Giorgia Meloni am 29. Juni dieses Jahres in BrΓΌssel. (Foto: EPA-EFE/Olivier Matthys)
Das βCentro CasaggΓ¬β (das sich selbst als βspazio identitarioβ, als identitΓ€ren Raum, bezeichnet) ist eine 2005 in Florenz entstandene Parallelorganisation zur βAzione Studentescaβ β die es seit 1996 gibt β, der Jugendorganisation des AN (βAzione Nazionaleβ), und mittlerweile, 2016 neu ausgerichtet, das universitΓ€re Instrument der βFratelli dβItaliaβ. Der βBlocco Studentescoβ ist der militante Ableger aus der Casa Pound und offen neofaschistisch, ohne sich mit dem βPostβ des Melonismo aufzuhalten. Sie sind bekannt dafΓΌr, schon junge Mitglieder an den Mittelschulen fΓΌr ihre Zwecke zu rekrutieren. βLealtΓ Azioneβ (Treue Aktion) stammt aus Mailand und ist der studentische Arm der rechtsextremen Terrorszene der βHammerskinsβ. Die βGenerazione identitariaβ schlieΓlich hat ihre Wurzeln in Frankreich und entspricht in etwa den βidentitΓ€renβ Rechten hierzulande, sie sieht sich im Gegensatz zur βLealtΓ Azioneβ eher als βEliteβ.
Bleibt am Ende βLotta Studentescaβ, die es schon seit 1976 gibt, die Jugendorganisation der βForza Nuovaβ, der grΓΆΓten gewaltbereiten faschistischen Kraft in Italien, die besonders im Milieu der βQuerfrontβ-Propagandisten verwurzelt ist, die wiederum im Habitus wie in den Sprechweisen Aspekte der einstigen linken Studentenbewegung ΓΌbernehmen β tatsΓ€chlich gaben De Angelis und Maurice Bignami, einst fΓΌhrender Kopf der linksradikalen militanten Gruppe βPrima Lineaβ, in den 1990er-Jahren gemeinsam eine Zeitung heraus: βLa spina nel fiancoβ (etwa: Der Stachel im Fleisch). Diese studentischen faschistischen Gruppen tun sich, auch wenn sie βkulturellβ nicht ganz zusammenzupassen scheinen, immer wieder zu Protesten und Aktionen zusammen.
Der einzige wirkliche Widerspruch besteht bei der Haltung zu Russland. Es gibt knallharte Putin-Verehrer wie die βLotta Studentescaβ, wΓ€hrend die βAzione Studentescaβ mehr oder weniger dem offiziellen Regierungskurs folgt, der sich in dieser Hinsicht an der AuΓenpolitik der EU orientiert. Alle eint aber der Drang zur Aktion: βPensiero che diventa azioneβ (Gedanke, der zur Tat wird) lautet einer der gemeinsamen Slogans, der die antidemokratische Grundhaltung, die Ablehnung aller βΓΆkologischenβ Bedenken, den fundamentalen Rassismus und vor allem den bedenkenlosen Voluntarismus ausdrΓΌckt.
Offensichtlich wirken diese militant rechten studentischen Gruppen auch auf die βUnpolitischenβ attraktiv; die rechtsradikalen Gruppierungen sind aus Querfront-Bewegungen bei Demonstrationen gestΓ€rkt hervorgegangen, die βneutraleβ Belange behandelten wie die PandemiemaΓnahmen, und sie ΓΌbernehmen Ausdrucksweisen und Strategien der linken Studentenbewegung von einst. Die Lieblingsworte sind denn auch hier immer wieder die βlibertΓ β und der βnonconformismoβ.
Im Februar dieses Jahres organisierten die rechten SchΓΌler und Studenten gemeinsam einen medienwirksamen βMarschβ in Rom, und dieses BΓΌndnis hat mittlerweile in fast allen italienischen UniversitΓ€tsstΓ€dten FuΓ gefasst. Die Gruppen sind straff und hierarchisch gefΓΌhrt, finanziell gut ausgestattet, von Politik, Medien und Justiz weitgehend unbehelligt und einig mit der Regierung darin, die italienische Demokratie in einen autokratischen PrΓ€sidial- oder FΓΌhrerstaat umzuwandeln. Γber die βAzione Studentescaβ spricht Giorgia Meloni in den hΓΆchsten TΓΆnen: Diese reprΓ€sentiere, sagt sie, βdie Schulungsinstanz fΓΌr die kommende politische FΓΌhrungsklasseβ. Deutlicher kann man als Postfaschistin wohl nicht werden.
Das rechte Jugendnetzwerk wird im GroΓen und Ganzen zusammengehalten durch die βGioventΓΉ Nazionaleβ, die offizielle Jugendorganisation der βFratelli dβItaliaβ, die immer mehr ZΓΌge faschistischer Erziehungskader annimmt. Die jungen SchΓΌlerinnen und SchΓΌler finden bei den βSommerlagernβ der βGioventΓΉ Nazionaleβ sportliche ErtΓΌchtigung, paramilitΓ€rische βKameradschaftβ und politische Unterweisung. Gerade die weniger begΓΌterten Eltern sind froh, ihre Kids wΓ€hrend der langen Ferien fΓΌr wenig Geld versorgt und beschΓ€ftigt zu sehen.
So also wird der (nicht gar so) neue italienische Faschismus von unten her aufgebaut. Der Krieg gegen die Armen ist nun ein Teil des faschistischen Kriegs gegen die Arbeiterklasse. Er ist damit nicht nur die ErfΓΌllung eines zumindest impliziten Versprechens an die neoliberalen Geldgeber, er dient auch dazu, die Jugend in den Griff zu bekommen, fΓΌr die insbesondere im SΓΌden eigentlich keine Hoffnung auf ein bΓΌrgerliches Leben besteht. Es gibt nun unter den gegebenen UmstΓ€nden nur drei LebensentwΓΌrfe fΓΌr sie: ein Leben als ewiger Hungerleider, Verlierer, Ausgebeuteter, eine Position in der jeweiligen Mafiafamilie β oder eine Karriere in der faschistischen Durchorganisation.
Jede dieser drei Optionen ist in der einen oder anderen Weise nΓΌtzlich fΓΌr das (post-)faschistische Regime. DemgegenΓΌber wirken die KΓ€mpfe von Gewerkschaften und Opposition fΓΌr einen Mindestlohn und eine Grundsicherung chancenlos, selbst dann, wenn sich die Regierung Meloni hier und da zu einem Kompromiss bereit-β¨erklΓ€ren will oder mit der symbolischen AbschΓΆpfung der Extraprofite von Banken ihre Art von βGerechtigkeitβ inszeniert. Der neoliberale FlΓΌgel sorgt schon dafΓΌr, dass es nicht so schlimm wird.
Dazu wird das ΓΆffentliche Fernsehen, vielleicht nicht mehr das zeitgemΓ€Γeste aller Medien, aber gerade in den weniger wohlhabenden Familien doch immer noch ein medialer Anker, in Windeseile unter den Einfluss der Regierungsparteien gebracht und von den einstigen Vertretern eines unabhΓ€ngigen kritischen Journalismus βgesΓ€ubertβ. Aber damit nicht genug: Auch das schiere Entertainment wird attackiert; unbotmΓ€Γige ΓuΓerungen von Schlagerstars in San Remo fΓΌhren dazu, dass man die FestivalΓΌbertragung von nun an zensieren wird. Einstige GrΓΆΓen des ShowgeschΓ€fts werden ebenso aus den Sendern gedrΓ€ngt wie die Redakteure, die nicht auf Linie sind, und die FdI geben unumwunden zu, dass es sich dabei auch um βRacheβ handelt.
Keine Partisanen, nirgends
So ist also die Gegenwart durch die Hegemonie in Medien, Kultur und Γffentlichkeit wie die Zukunft durch die faschistische Organisation der Jugend weitgehend unter der Kontrolle des postfaschistischen Dreierpakts geraten. Fehlt noch die Vergangenheit. In der Sommerpause gilt vor allem die italienische Geschichte in ihren pΓ€dagogischen GrundΓΌbereinkΓΌnften als Angriffsziel (wir erinnern uns: BΓΌcherverbrennung im Namen der faschistischen Geschichtsrevision war bereits Melonis Anliegen in Studententagen). In Giorgia Melonis gehΓ€uften Ansprachen an das Lehrpersonal und die Gremien kommen die WΓΆrter βresistenzaβ und βpartigianoβ (Partisan) nicht mehr vor; der italienische Faschismus wird als Epoche der Sauberkeit und Ordnung dargestellt, wo man es nur an einigen Punkten ΓΌbertrieben hat, vor allem aber werden die βHeldenβ des Faschismus so sehr rehabilitiert wie die Partisanen zu βBandenβ herabgestuft werden, denen es nur um persΓΆnliche Abrechnungen und Interessen gegangen sei.
Wie die Geschichtsrevision im Alltag vollzogen wird, mag ein kleines Beispiel zeigen: In dem StΓ€dtchen Nervi, unweit von Genua, befindet sich ein kommunales Schwimmbad, das nicht nur wegen seiner tollen Aussicht aufs Meer berΓΌhmt ist, sondern auch, weil hier Nanni Moretti 1989 seinen Film βPalombella rossaβ (deutscher Verleihtitel: βWasserball und Kommunismusβ) gedreht hat. ZunΓ€chst stand der Erhalt des Bades auf der Kippe; als sich dann der rechte BΓΌrgermeister doch zum Erhalt durchringen konnte, benannte er das Bad nach dem Faschisten Luigi Ferraro, der noch in der Republik von SalΓ² der berΓΌchtigten faschistischen Elitetruppe βXΒͺ Flottiglia MASβ angehΓΆrte und nach dem Krieg zwar als Taucher berΓΌhmt wurde, aber nicht mΓΌde wurde, zu erklΓ€ren, dass er es nie bereute, fΓΌr den Faschismus gegen eigene Landsleute gekΓ€mpft zu haben. Trotz der Proteste der Gewerkschaften und etlicher BΓΌrgerinnen und BΓΌrger von Nervi wurde die Namensgebung durchgesetzt und, nicht genug damit, im Internet mit dem Emblem des Casa Pound, des βKulturzentrumsβ der Neofaschisten in Rom, verbreitet. Wie viele italienische Gemeinden kΓΆnnen solche Geschichten erzΓ€hlen! Neben der Revision der SchulbΓΌcher, der gewalttΓ€tigen UnterdrΓΌckung βfalscher Darstellungenβ des Faschismus in Italien an den UniversitΓ€ten werden solche Rehabilitierungen faschistischer βHeldenβ zur Alltagserfahrung. Sie sind das andere Gesicht einer Obstruktionspolitik, die die Vertreter der rechten Parteien in jenen kommunalen und regionalen Einrichtungen betreiben, in denen sie noch nicht das Sagen haben. Jede noch so kleine Verbesserung auf dem Gebiet der lokalen Infrastruktur wird mit einer faschistischen Aneignung teuer bezahlt.
Nach den Worten Melonis in einem Interview mit der Tageszeitung βCorriere della Seraβ ist das wohl einzig Schlechte am historischen Faschismus, dass er die Demokratie abschaffte. Es ist offensichtlich das Ziel des Postfaschismus, eine faschistische Gesellschaft, eine Regierung nach dem PrΓ€sidialprinzip (natΓΌrlich ohne Amtszeitbegrenzung) zu errichten, bei Beibehaltung gewisser demokratischer, eher: postdemokratischer Rituale wie Wahlen (Putin, OrbΓ‘n, ErdoΔan et cetera lassen grΓΌΓen).
Melonis Politik, anders als die einiger ihrer Vasallen, besteht auch darin, die innere Faschisierung nicht allzu sehr als ein international lesbares Bild zu prΓ€sentieren. Die Giorgia Meloni, die auftritt, wo man unter sich ist, und die Giorgia Meloni, die vor internationalen Kameras spricht, unterscheiden sich gewaltig. MΓΆglicherweise ist es das GlΓΌck der Demokratie in anderen LΓ€ndern, dass bei den dortigen Faschisten niemand intelligent genug fΓΌr ein solches Possenspiel ist.
Faschisierung und Europa
Bleibt am Ende die Frage, wie das alles geschehen kann. Die eine Antwort: Der (post-)faschistische Angriff gilt einer in weiten Teilen βerschΓΆpftenβ Gesellschaft. Selbst denjenigen in der Mitte der italienischen Gesellschaft, die sich von diesem Totalangriff fernhalten, fehlt die Kraft, fehlen aber auch die Medien, die Diskurse, die Ideen zum Widerstand. Diese Gesellschaft, die aus einem jeweils in sich widersprΓΌchlichen Lager der Linken und der katholischen Gemeinde, aber auch aus den drei Landesteilen Norden, Mitte und SΓΌden besteht, ist zerbrochen, alle gesellschaftlichen Fortschritte, auch die im Kampf gegen die Mafia, gegen die Steuerflucht, gegen den Zerfall von Bildung und Infrastruktur, werden abgewickelt. Italien heute, das ist vor allem Beute.
Der zweite Grund ist ein Europa, dessen LΓ€nder mit ihren eigenen Post- oder PrΓ€faschisten genug zu tun haben und einfach nicht genau hinsehen wollen, solange Giorgia Meloni auΓenpolitisch und europΓ€isch ZurΓΌckhaltung ΓΌbt. Denn all das, was in Italien passiert, das passiert auch in anderen europΓ€ischen LΓ€ndern, wenn vielleicht auch nicht mit dieser Deutlichkeit.
Der dritte Grund β auch das ein PhΓ€nomen, das in ganz Europa beobachtet werden kann β ist der desolate Zustand der demokratischen Zivilgesellschaft und der linksliberalen Milieus. Elly Schlein, die designierte Vorsitzende des oppositionellen βPartito Democraticoβ, konnte gewiss einiges wiedergutmachen, was ihre VorgΓ€nger an Zugewandtheit und Engagement vermissen lieΓen, und doch lΓ€sst sich einfach keine wirkliche linke, demokratische Einheit herstellen, die es wahlrechnerisch und ΓΆffentlichkeitsrelevant mit der Rechten aufnehmen kΓΆnnte.
Ist also Italien, anders als Spanien, fΓΌr die Demokratie verloren? Ganz sicher nicht, wenn sich die oppositionellen KrΓ€fte nur einmal besinnen kΓΆnnten, wenn es eine europΓ€ische SolidaritΓ€t gΓ€be, in der es nicht bloΓ um die Wettbewerbsfreigabe von BadestrΓ€nden und die Frage nach FlΓΌchtlingsaufnahmen ginge, und wenn sich auch die entmachtete Kultur ihrer ursprΓΌnglichen Aufgaben wieder besΓ€nne.
Georg SeeΓlen arbeitet als freier Autor, Feuilletonist und Filmkritiker; er lebt im AllgΓ€u.
FΓΌnf GrΓΌnde fΓΌr den Erfolg der italienischen Rechten:
1. Gestiegener Organisationsgrad der neofaschistischen Bewegung.
2. VerknΓΌpfung der drei Fraktionen des Rechtsextremismus: Faschismus, Populismus und libertΓ€rer Neoliberalismus.
3. Drift des konservativen KleinbΓΌrgertums nach rechts.
4. Bereitschaft der staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen, sich den Rechten zu ΓΆffnen und anzudienen.
5. LΓ€hmung und SelbstbeschrΓ€nkung der gesellschaftlichen Mehrheit.
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Killer Carbonara, Straight from the Source
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The New York Roscioli is a collaboration between Alessandro Pepe, the head sommelier of Rimessa Roscioli, and Ariel Arce, a New York City restaurateur who has a knack for serving wineβan act that, even at its most scintillating, is always at least thirty per cent tediousβin a way that feels urgent and alive. At her now-closed SoHo restaurant Niche Niche, which occupied the space that now houses Roscioli, Arce adhered to a βdinner partyβ format, with diners served nightly set menus of food-and-wine pairings, at strikingly affordable all-inclusive prices, that showed off a particular producer or region or theme. Famous sommeliers would come through to show off rare selections, legendary cellars would be raided for no better reason than it was a Wednesday, and it was New York, and why the hell not. The wine was great, but, more important, it was selected for you, which robbed it of its powers of intimidationβall that was left was pure enjoyment. In 2021, Niche Niche played host to Rimessa Roscioli for a week of Rome-themed suppers, and from there a partnership was born.
The downstairs dining room at the new Roscioli continues that whole wine-soaked-dinner-party vibe. You arrive at your table and are immediately handed a drink, which gives way to a parade of predetermined courses, and a parallel parade of Italian wines to match. (At a hundred and thirty dollars per person, it remains an almost disorientingly good bargain.) On a recent visit, the opening course was panzanellaβthe tomatoes semi-roasted, to condense their flavor into a reminder of the Dionysian sweetnesses of late summer. It landed on the table along with a heap of mortadella, sliced whisper-thin, and a plate bearing a milky blob of burrata, doused in golden olive oil and studded with more of those concentrated tomatoes. βWe fly the burrata in from Puglia,β my server said, as he set down the plate of cheese, and then laughed. βNo, seriously, could you imagine the carbon footprint?β The Roman location of Roscioli is a temple to the abundance of Italy; in New York, thanks to import restrictions and logistical impracticalities, the focus has to be on quality rather than provenance. The burrata, warm as breath, bloomed against my knife into a river of sweet cream. The wine, a leaf-yellow Asprinio di Aversa, was frizzy and sharpβlike the best pairings, it made everything on the table taste better, brighter, more alive.


The rhythm of a restaurant changes when everyone in the dining room is eating the same things simultaneously. The kitchen moves quickly, in a practiced choreography, and there are none of the lags or pauses necessitated by a dozen different orders coming in at different times, as in a standard Γ -la-carte dining room. Itβs exhilarating and energetic, at firstβa propulsive rat-a-tat of activity as the appetizers are swapped out for an impossibly buttery saffron risotto, then an all-time tremendous rendition of pasta carbonara, in which fried slivers of guanciale crackled like tiny morsels of chicharron in the funky-rich emulsion of the sauce. And then, all at onceβmaybe it was the mood, maybe it was the wine, maybe the pasta was so wonderful that all my circuits blew outβit all seemed like too much, too fast. I craved the pause of a kitchen in the weeds, the welcome breather of a lull between courses. When the next dish cameβa meatball (soft, mild) atop a dollop of polenta (mild, soft)βI could hardly bring myself to take a second bite. I wanted to close my eyes. I wanted to hide in the bathroom and do a crossword puzzle on my phone. In a way, itβs a testament to the success of the dinner-party model: this is exactly how I feel after about ninety minutes at the table in someone elseβs home. I wanted to skip dessert completely (tiramisu and a lovely little cannoli, with a perfectly silly glass of Moscato) and slip into the kitchen to eat more carbonara straight from the stove.

In early October, Roscioli opened its βupstairsββa street-level spaceβwhere meals adhere to a more familiar rhythm. Thereβs an Γ -la-carte menu, and a shop-the-pantry conceit that harks back to the whole dinner-in-a-deli vibe of its Roman progenitor. The walls are lined with shelves bearing packages of dried pasta, bottles of vinegars and oils, and jars of honey and prepared sauces and Italian vegetables preserved sottβolio. Customers eating at a long counter in the back face a glass case of cheeses, meats, breads, and condiments. Everything is for sale, grocery store-style; almost everything is also available to order as components of a wide-ranging menu. That molten puddle of honey in which you dipped a piece of salt-flecked focaccia; those oil-cured heads of puntarelle, with their ghostly bitterness and alien curls; even the caciocavallo, a cheese aged in a clay pot that must be dramatically shattered to get to the pleasures within, are all available to take home, as souvenirs, or trophies. Even without a reservation, you can walk in and shop the provisions of the alimentari (or order online, with in-person pickup). The contents of Alessandro Pepeβs extensive Italian wine list (from which the downstairs pairings are drawn) are not for sale directly, though you can get a few bottles by joining the Roscioli Wine Club, a work-around for restrictive retail-spirits laws.
That unreal carbonara is available upstairs, thank God, as are other holy Roman pastas. Allβamatriciana (with guanciale and tomatoes) is tart and bright. Cacio e pepe (cheese and pepper) is saved from predictability, and mac-and-cheese adjacency, with the use of springy fresh tagliolini in lieu of more conventional dried noodles. The menu, a wide-ranging tour of Roman classics and modern Romanesque creations, seems designed for grazing: a bite of oxtail-stuffed supplΓ¬ (fried balls of arborio riceβlike arancini, except oblong, and from Rome rather than Sicily); a forkful of paper-thin zucchini fried with mint; a bit of cheese; a bit of prosciutto. I was especially enchanted by a tasting of tunasβcrudos of belly and loin, paired with two different oil-cured versions, each form of the fish enhancing the preciousness of every other.


There was something ineffableβnot quite a je ne sais quoi, more like non so che cosaβabout the offhand elegance of the place. The tables in the upstairs space are awkwardly cramped, and the room is glaringly loud, with conversations seeming to ricochet off the jars on the walls. But itβs an energizing, convivial cacophony. Servers hand out samples of interesting sausages, or climb onto a banquette to reach a particular bottle of oil from a high shelf. Dishes like lamb tartare, with crispy fried capers and an earthy artichoke aioli, or fried baccalΓ (fresh cod),Β over a swirl of ultra-floral red-pepper cream, have the easy, sexy lightness of an unplanned meal eaten late: lunch at four, or dinner at eleven, too many glasses of wine, a taxi home. Is it just like being in Rome? I couldnβt tell you. But itβs absolutely just like being in New York.Β β¦
Trumpβs Four Latest Criminal Defenses, Each More Absurd Than the Last
With alleged accomplices flipping left and right, itβs been a rough week for Donald Trump. On Tuesday, though, Trumpβs attorneys looked to turn that momentum around, filing three additional motions to dismiss the Jack Smithβled federal prosecution of his efforts to overturn the 2020 election.
The legal filings offer a fascinating preview of Trumpβs potential defenses in the Washington prosecution brought by the special counsel. Will it work? Almost certainly not. Legal experts say the arguments are almost certain to fail to result in dismissal of the case, and in many ways, Trumpβs defenses are outright absurd. Former federal prosecutor and impeachment expert Frank Bowman called the dismissal motions βan embarrassing goulash of mischaracterized facts and inverted logic, not to speak of misapplied legal citations.β
How bad are Trumpβs latest motions for dismissalβand thus his possible defenses at trial? At one point, Trumpβs attorneys literally argue whoβs to say whatβs true and whatβs not true in regards to Trumpβs (untrue) claim that the election was stolen. That claim, remember, underpins the entire case. βBottom line on all of this stuff is that itβs so bad from a legal perspective that some of it comes close to being sanctionable by the court,β Bowman said.
Hereβs a quick look at some of the most ridiculous and grotesque arguments for Trumpβs innocence made by his legal team in these latest filings.
Argument 1: You Canβt Prove That the Election Wasnβt Stolen
This is the argument that takes the cakeβand is likely in there almost exclusively for the satisfaction of the client. One of Trumpβs motions to dismiss rests on the premise that heβs being persecuted for unpopularβbut First Amendmentβprotectedβpolitical speech. That claim rests on the notion that none of the actions he and his alleged co-conspirators took to try to overturn the election went beyond such protected speech, a debatable premise at best.
Here, though, is where Trumpβs lawyers truly go off the rails. They state that thereβs no way to prove that Trumpβs claims about a stolen election were even false, and so therefore all of his actions could have been taken to secure the sanctity of, not warp, the 2020 election.
From the motion (emphasis mine):
Claims about the integrity of the 2020 Presidential electionβincluding claims that the election was βriggedβ and/or βstolen,β or that fraud and irregularities tainted the outcome in certain States or across the Nation β¦ constitute β¦ core political speech β¦ that is not readily verifiable or falsifiable. Thus, they lie at the heartland of the First Amendmentβs protection, and the federal government may not dictate whether such claims are true or falseβnor prosecute the purveyors of the allegedly βfalseβ views.
This is especially true because claims that the 2020 Presidential election was βriggedβ or tainted by fraud and irregularity β¦ do not involve βeasily verifiable facts.β β¦ Such claims require the assessment of mountains of information from which each person will draw competing inferences based on facts as well as their personal, deep-seated political views and presuppositions. They are not readily verifiable or falsifiable.
Bowman summed up this legal claim: βThere is, apparently, no such thing as reality.β
Trumpβs premise here is that because he used the bully pulpit to convince large segments of the country of the lie that he won the 2020 election, which he lost, the position is now debatable and any actions he took to turn that βbig lieβ into political reality were protected by the First Amendment. The motion states:
This is why Americansβ opinions on these issues are profoundly divided, very much to this day. The First Amendment does not permit the prosecution to dictate what is βtrueβ and what is βfalseβ on such broad, vigorously disputed, politically charged questionsβespecially not in the context of a criminal prosecution that effectively seeks to criminalize a political viewpoint shared by over 100 million Americans.
Bowman summarized this position as βa testament to the fact that Trump and the right-wing media complex haveβastonishinglyβmanaged to convince a segment of the population that the crime Trump committed in plain sight was not really a crime.β He concluded that this idea that there is no such thing as the truth is βnot a proposition that the law can admit.Β At least, I hope not.β
Argument 2: Trump Is the Subject of a Witch Hunt Led by Joe Biden
One of Trumpβs latest motions to dismiss focuses exclusively on the notion that this is a βselective prosecutionβ orchestrated by President Joe Biden as a means of taking out a top political rival, i.e., a witch hunt. From the motion:
This prosecution is also driven by an unconstitutional discriminatory purpose: Bidenβs publicly stated objective is to use the criminal justice system to incapacitate President Trump, his main political rival and the leading candidate in the upcoming election.
If the case is not dismissed, Trumpβs legal team is asking that a hearing be held to subject members of the prosecution to direct examination as to whether or not they are βwitch hunters.β
The problem for Trump is that the bar for proving such a political prosecution is β¦ very high.
βTrump will have to establish that 1) others similarly situated could have been prosecuted but were not and 2) that the governmentβs selection of him for prosecution was motivated by insidious intent. It is an almost-impossible-to-meet standard,β said Norman L. Eisen, a former special counsel to the House Judiciary Committee during Trumpβs first impeachment.
To demonstrate Trumpβs claim of a witch hunt, the defense points to a pair of Trumpβs Truth Social posts, as well as two mainstream news articles reporting that, behind the scenes, Biden was frustrated that Attorney General Merrick Garland took so long to put Trump in the sights of federal prosecutors. But these articlesβand the defenseβoffer no evidence that Biden meddled in the prosecution, or even had any contact with Garland over it. (Bidenβs comments that Trump was a threat to democracy and should be prosecuted, which were anonymously sourced, were reportedly made privately to members of his βinner circle.β The New York Times article cited by Trumpβs legal team explicitly says, βThe president has never communicated his frustrations directly to Mr. Garland.β)
Another comment cited in the motion references Biden as saying, βIβm making sure he, under legitimate efforts of our Constitution, does not become the next President again.β The motion claims that Bidenβs statement was in reference to prosecuting Trump, but that claim has been fact-checked by the Associated Press as false.
βThe quoted statements seem pretty plainly to refer to beating Trump in the next election,β Bowman said. βThere is no evidence Biden has interfered in the DOJβs decisionmaking.β
Argument 3: Trumpβs Impeachment Means Heβs Protected by Double Jeopardy
I covered a version of this argument after Trumpβs legal team first made it in a previous motion to dismiss earlier this month, but Trumpβs attorneys make it a primary focus of one of the new motions to dismiss, stating:
The governmentβthrough Congressβalready put President Trump on trial once, placing him in jeopardy for an alleged criminal offense arising from the same course of conduct alleged in the indictment. Having failed to obtain a conviction, President Trumpβs acquittal in the United States Senate must stand, and the prosecution may not seek a retrial in this forum.
As I wrote earlier, this is the opposite of what Trumpβs legal team stated when he won that acquittal in the Senate. Then, they claimed the appropriate venue for accountability for Jan. 6 was the criminal justice system and not an impeachment of a former president and private citizen. Here, though, Trumpβs team goes a step further, saying that he has already been tried via impeachment and canβt be tried again.
βThe double-jeopardy claim is comical,β noted Bowman, who wrote a 478-page comprehensive history of impeachment. βIt mischaracterizes the impeachment clauses and rests on the wholly incorrect notion that impeachments are criminal proceedings that trigger double-jeopardy protections.β
Argument 4: Trumpβs βStop the Stealβ Campaign Did Not Constitute βDeceit or Trickeryβ
This one is a little wonky, but the bottom line is that one of the statutes Trump is charged underβconspiracy to defraud the United Statesβdemands a showing that the criminal action be taken with the purpose of βdeceit or trickery.β Trump argues that he had no such purpose and that, even if he had, thereβs no way that little old he could have possibly been responsible for convincing anyone of anything during his efforts to strong-arm officials into overturning the election results. As the lawyers write:
To assert that President Trump, as one voice among countless millions, was somehow capable of unilaterally βtrickingβ or βdeceivingβ these individuals, who include some of the most informed politicians on the planet, simply by advocating his opinions on this contentious issue, is beyond absurd.
As anyone who might have lived through that period would know, it is not absurd.
Ultimately, the defense goulash rests on the premise that Trump did nothing wrong and is a victim of political persecution, without offering any evidence of either. No serious prosecutor thinks that this will go well for him.
βThe evidence that has been unearthed during the past year is simply overwhelming,β said Marty London, the defense attorney who negotiated Spiro Agnewβs plea deal with federal prosecutors when Agnew was vice president. βThe rats are abandoning the sinking ship. And the ship will sink, I believe, and the big rat will go down with it.β
October Cheese and cocktail pairing: Jack Rose and Bouton de Culotte
In our cheese and cocktail pairing project, I combine my cocktail know-how with the encyclopedic cheese knowledge of Jennifer Greco of Chez Loulou for a series of classic cocktails paired [β¦]
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Paris β’ Cocktails β’ Bars
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Abricot bar keeps it cheeky with creative cocktails and vegetarian snacks
Abricot bar is a neighborhood spot created by women, intended for everyone, and serving creative cocktails and plant-based bites.
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Where to Drink Cocktails in Marseille
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