Deutschland braucht wieder mehr Spielraum für Wachstum
Deutschland muss Wachstum wieder stärker ins Zentrum seiner Wirtschaftspolitik rücken. Doch bevor wir darüber sprechen, wo wir 2030 sein wollen, sollten wir genau hinschauen, wo unsere Unternehmen heute stehen.

Seit mehr als zwei Jahren beobachten wir mit dem DATEV Mittelstandsindex eine wirtschaftliche Entwicklung, die weniger einem plötzlichen Einbruch als einer schleichenden Erschöpfung gleicht. Die Umsätze kommen nicht nachhaltig in Schwung, während Löhne und andere Kosten weiter steigen. Die Beschäftigung, lange ein Stabilitätsanker des Mittelstands, gerät zunehmend unter Druck. Der Mittelstand hält sich, aber er ist nicht im Aufschwung.
Wenn Erlöse über einen langen Zeitraum kaum wachsen und gleichzeitig die Kosten steigen, schrumpfen die Spielräume für das, was unser Land dringend braucht: Investitionen und wirtschaftliche Erneuerung. Deshalb müssen wir die Bedingungen verbessern, unter denen wirtschaftliche Dynamik entstehen kann.
Investitionen schaffen Zukunft
Viele Unternehmen konzentrieren unter den aktuellen Rahmenbedingungen ihre verfügbaren Mittel zunehmend darauf, den Bestand zu sichern. Investiert wird in Ersatz und Erhalt, während Erweiterungen, neue Technologien oder zusätzliche Kapazitäten schwieriger zu finanzieren sind. Das hat langfristige Konsequenzen. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, klimaneutrale Produktion oder neue Geschäftsmodelle entstehen nicht allein durch politische Zielsetzungen. Sie müssen in Unternehmen konkret umgesetzt und finanziert werden. Dafür brauchen Unternehmen wirtschaftlichen Spielraum.
Wenn Erlöse über einen langen Zeitraum kaum wachsen und gleichzeitig die Kosten steigen, schrumpfen die Spielräume für das, was unser Land dringend braucht: Investitionen und wirtschaftliche Erneuerung.
Gerade aus kleinen, dynamischen Unternehmen können disruptive Innovationen und damit die großen Unternehmen von morgen entstehen. Doch Unternehmen können Risiken nur eingehen, wenn sie über ausreichende Reserven verfügen und darauf vertrauen können, dass sich langfristige Investitionen am Standort Deutschland lohnen. Statt unternehmerische Dynamik vor allem mit neuen Förderprogrammen erzeugen zu wollen, sollten wir Unternehmen wieder mehr Raum, bessere Rahmenbedingungen und mehr Planungssicherheit für eigene Entscheidungen geben.
Deutschland braucht einen schlankeren Staat
Zu guten Standortbedingungen gehört auch ein leistungsfähiger Staat. Genehmigungsverfahren, Berichtspflichten, Steuerverfahren und Verwaltungsprozesse kosten Zeit und binden Personal. Das trifft auch große Konzerne, kleine und mittlere Unternehmen aber besonders stark, weil sie regulatorische Anforderungen nicht auf große Fachabteilungen verteilen können.
Gleichzeitig ist der Staat selbst immer größer geworden. 2025 lag die Staatsquote bei über 50 Prozent. Das ist keine Kennzahl, mit der wir uns abfinden sollten. Deutschland braucht einen schlankeren Staat – nicht als Selbstzweck, sondern weil ein Staat, der immer mehr Ressourcen bindet, diese Mittel und Arbeitskräfte dem privaten Sektor entzieht. Wir sollten eine unbequeme Wahrheit aussprechen: Deutschland hat kein Einnahmenproblem. Die entscheidende Frage ist, was wir mit den vorhandenen Mitteln machen und welche Aufgaben der Staat tatsächlich übernehmen muss. Immer neue Einnahmen zu mobilisieren, während Unternehmen unter hohen Kosten und schwachen Umsätzen leiden, ist keine Wachstumsstrategie.
Das gilt auch für zusätzliche steuerliche Belastungen. Ein höherer Spitzensteuersatz trifft nicht nur gutverdienende Privatpersonen. Er trifft unmittelbar viele mittelständische Unternehmen. Für Personengesellschaften und Einzelunternehmen ist die Einkommensteuer die Unternehmenssteuer. Wer diesen Unternehmen zusätzliche Mittel entzieht, darf sich nicht wundern, wenn anschließend das Geld für Investitionen fehlt.
Europa darf deshalb nicht nur ein großer regulierter Markt sein. Es muss auch ein großer Markt für Wachstum werden.
Auch der Staat selbst steht vor dem demografischen Wandel. Digitalisierung und künstliche Intelligenz bieten die Chance, staatliche Aufgaben künftig effizienter zu erfüllen. Ein schlankerer Staat darf dabei kein schwächerer Staat sein. Er muss sich auf seine Aufgaben konzentrieren und diese schneller und verlässlicher erfüllen.
Europa muss Wachstum ermöglichen
Deutschland kann seine wirtschaftliche Stärke dauerhaft nur in einem wirtschaftlich starken Europa sichern. Der europäische Binnenmarkt ist einer unserer größten Vorteile. Im Alltag erleben Unternehmen Europa aber noch zu häufig als fragmentiert. Unterschiedliche Verfahren, zusätzliche Dokumentationspflichten und nationale Sonderwege erschweren grenzüberschreitendes Wachstum. Besonders sichtbar wird das bei jungen, erfolgreichen Unternehmen, die den nächsten Wachstumsschritt gehen wollen. Für sie muss Europa zum gemeinsamen Markt mit besseren Bedingungen werden, um zu wachsen und Kapital für die nächste Entwicklungsstufe mobilisieren zu können.
Europa darf deshalb nicht nur ein großer regulierter Markt sein. Es muss auch ein großer Markt für Wachstum werden. Es muss seine Größe auch als wirtschaftlichen Vorteil nutzen. Dafür müssen nationale Sonderwege abgebaut und Bedingungen geschaffen werden, unter denen aus erfolgreichen Gründungen globale Unternehmen werden können. Sonst riskieren wir, dass Ideen hier entstehen, die daraus resultierende Wertschöpfung aber anderswo wächst.
Widerstandskraft allein reicht nicht
Zwei Jahre DATEV Mittelstandsindex zeigen, wie lange Unternehmen Belastungen auffangen können. Aber eine Volkswirtschaft kann nicht davon leben, dass ihre Unternehmen immer nur widerstandsfähiger werden. Sie braucht neben starken Betrieben auch neue Unternehmen, aus denen die Mittelständler und Weltmarktführer von morgen wachsen können.
Der Mittelstand hat Arbeitsplätze lange gehalten, obwohl die Umsatzentwicklung schwach blieb und die Löhne weiter stiegen. Erst mit Verzögerung ist auch die Beschäftigung unter Druck geraten. Auch viele Unternehmerinnen und Unternehmer absorbieren Belastungen zunächst selbst.
Denn wirtschaftliche Dynamik entsteht in Unternehmen. Geben wir ihnen dafür wieder den nötigen Spielraum.
Gleichzeitig ziehen sich Betriebe aus dem Markt zurück, weil Nachfolge fehlt, Rentabilität sinkt oder die Perspektive nicht mehr ausreicht. Umso wichtiger ist ein Umfeld, in dem Menschen bereit sind, Verantwortung und unternehmerisches Risiko zu übernehmen.
Deutschland 2030 braucht einen Kurswechsel
Bis 2030 werden Digitalisierung, künstliche Intelligenz, demografischer Wandel und geopolitische Veränderungen unsere Wirtschaft tiefgreifend verändern. Die Antwort darauf kann nicht sein, Unternehmen immer neue Belastungen aufzubürden.
Deutschland braucht einen Kurswechsel: weniger Bürokratie und steuerliche Belastung, einen schlankeren und leistungsfähigeren Staat und ein Europa, das seine Stärke als gemeinsamer Markt ausspielt. Der Mittelstand hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wie viel Belastung er tragen kann. Das sollte die Politik nicht als Einladung verstehen, ihm noch mehr zuzumuten. Denn wirtschaftliche Dynamik entsteht in Unternehmen. Geben wir ihnen dafür wieder den nötigen Spielraum.
Hinweis
POLITISCHE WERBUNG
- Der Sponsor ist DATEV eG.
- Diese Werbung steht im Zusammenhang mit der wirtschaftspolitischen Debatte über Bürokratieabbau, steuerliche Belastungen, die Rolle des Staates und die Rahmenbedingungen für Unternehmen in Deutschland und Europa.
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